Was ist Globalisierung?

Die Chancen der Globalisierung

Die Risiken der Globalisierung

Fazit

Globalisierung – Chancen und Risiken

Was ist Globalisierung?

Definition

Mit dem Begriff der 'Globalisierung' wird die weltweite Verflechtungen zwischen Individuen, Gesellschaften, Unternehmen, Institutionen und Staaten in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt und Kommunikation beschrieben.

In der Betriebswirtschaft wird der Begriff für die Strategie einer grenzüberschreitend bzw. global tätigen Unternehmung gebraucht, die über die Ausnutzung von Standortvorteilen Wettbewerbsvorteile sucht.

Siehe auch » Wikipedia , » Gabler Wirtschaftslexikon

Ursachen und Gründe für die Globalisierung

Suche nach der preisgünstigsten Lösung bei vertretbarer Qualität

Jedes Unternehmen steht unter dem Druck, seine Kosten möglichst tief zu halten. In der Praxis bedeutet das, für alle Prozesse und Beschaffungen die preisgünstigste Lösung bei noch vertretbarer Qualität zu finden. Da die Lohnkosten in den traditionellen Industriestaaten des Nordens hoch sind, besteht ein Anreiz, arbeitsintensive Prozesse in Länder mit einem tieferen Kostenniveau auszulagern.

Nutzung von Skaleneffekten

Zudem wird versucht, Skaleneffekte zu nutzen. Bei gewissen Produkten sind die Fixkosten der Fertigung über einen weiten Mengenbereich konstant. Je grösser die produzierte Menge, umso kleiner die Fix- und somit die Gesamtkosten pro Teil. Für Güter, deren Transportkosten im Verhältnis zu den Herstellkosten klein sind, lohnt sich die Produktion an einem Standort weltweit, um die Herstellkosten zu minimieren.

Weltweite Lieferketten

Im Rahmen der Globalisierung haben sich teilweise weltumspannende Lieferketten gebildet. Die in Europa verkauften elektronischen Geräte, Maschinen oder Fahrzeuge werden häufig im Ausland gefertigt oder bestehen aus Teilen und Komponenten, die bei spezialisierten Lieferanten im Ausland beschafft werden.

Komplexes Netzwerk von Lieferanten und Unterlieferanten

Die Mehrzahl der Lieferanten hat ihrerseits wieder spezialisierte Unterlieferanten bzw. Unter-Unterlieferanten, ohne die sie ihre Leistung nicht erbringen könnten. Die Lieferanten und Unterlieferanten eines Unternehmens bilden somit ein komplexes Netzwerk von Abhängigkeiten.

Eine Lieferkette ist immer so stark wie das schwächste Glied. Bringt beispielsweise ein Unterlieferant in Land A seine Leistung nicht, so kann der Lieferant in Land B ein unter Umständen kritisches Teil nicht liefern, und die Endmontage einer Maschine in Land C ist blockiert. Der Kunde des Maschinenbauers in Land D erhält seine Maschine deshalb später und kann seine Kunden in Land E nicht zeitnah beliefern.

Lieferanten lassen sich nicht immer problemlos ersetzen

Alle Lieferanten und Unterlieferanten haben ein spezifisches Knowhow und müssen ihre Produkte  und Dienstleistungen in der gewünschten Qualität zu einem konkurrenzfähigen Preis liefern. In der Regel muss die Lieferung innerhalb eines eng definierten Zeitrahmens erfolgen, manchmal direkt an die Montagelinie (Just in Time).

Je spezialisierter ein Unterlieferant ist und je besser sein Angebot an die Bedürfnisse eines Auftraggebers angepasst ist, umso weniger lässt er sich kurzfristig ersetzen. Die Zulieferer eines Unternehmens bilden ein komplexes Netzwerk, das sich, einmal etabliert, nur langsam und mit entsprechenden Mehrkosten anpassen lässt.

Möchte man beispielsweise die Herstellung von Werkzeugmaschinen von China nach Vietnam verschieben, müssen dort erst die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden: Es braucht neben einer guten Infrastruktur (z.B. Gebäude, Transport, Energie) auch gut ausgebildete Fachkräfte und ein Netzwerk von Lieferanten und Unterlieferanten, die die gewünschte Qualität zu vertretbaren Kosten erbringen können.

Die Erfahrung mit China zeigt, dass der Aufbau eines solchen Umfelds Jahre wenn nicht Jahrzehnte dauert und mit erheblichen Investitionen verbunden ist. Die Kosten einer Verlagerung der Produktion von China in andere Länder oder gar zurück an den Hauptstandort sind in den meisten Fällen erheblich.

 

Tiefe Transportkosten

Gefördert wurde die Globalisierung durch die Containerisierung des Stückguttransports sowie tiefe Transportkosten.

Weitere Faktoren

Weitere die Globalisierung unterstützende Faktoren sind:

Beispiel China

Das bekannteste und wohl auch erfolgreichste Beispiel für die Auslagerung von Industrieprodukten ist China. Dank einer Kombination aus

konnte sich das Land in den letzten 30 Jahren zur 'Werkbank der Welt' entwickeln. Das Beispiel zeigt, dass für den Erfolg nicht die einzelnen Komponenten als solche, sondern das Zusammenspiel aller Komponenten relevant ist. 

China ist sowohl als Standort für Auslagerungen als auch als Absatzmarkt für westliche Unternehmen sehr attraktiv und schwer zu konkurrenzieren.

 

Die Chancen der Globalisierung

Verbesserung der Kaufkraft im Norden

Dank der Globalisierung konnte die Kaufkraft der Menschen in Ländern des Nordens massiv verbessert werden, denn wegen der tieferen Preise der Produkte aus Ländern wie z.B. China oder der Auslagerung von Lohnarbeit, z.B. nach Osteuropa, konnten wir uns mehr Güter leisten als dies sonst der Fall gewesen wäre.

Wirtschaftliche Entwicklung in Schwellenländern

In den Ländern mit hohem Lohnniveau fallen durch die Globalisierung zwar Arbeitsplätze und auch ein Teil der Wertschöpfung weg. In Ländern mit tieferem Kostenniveau, wie z.B. der Slowakei oder China, werden dafür neue Arbeitsplätze geschaffen.

Die Arbeitsbedingungen, Sozialleistungen und Umweltauflagen in den Zielländern von Auslagerungen mögen zwar oft noch erheblich von mitteleuropäischen Standards entfernt sein, aber immerhin kann die ausgelagerte Produktion die wirtschaftliche und mittelfristig auch die soziale Entwicklung dieser meist armen Länder fördern. Zudem entstehen neue Märkte für die Produkte aus dem Norden.

Die Risiken der Globalisierung

Sozialdumping

Positiver Fall: Steigerung der Wertschöpfung

Im Idealfall wird die durch die Auslagerungen im Norden wegfallende Wertschöpfung durch technologischen Fortschritt und Wirtschaftswachstum bzw. durch zusätzliche Wertschöpfung in anderen Sektoren (z.B. Dienstleistungen) kompensiert. Wegfallende Arbeitsplätze werden durch neue, im besten Fall sogar solche auf höherem Qualifikationsniveau und höherer Produktivität, ersetzt.

Im positiven Fall können Arbeitskräfte, die vor der Auslagerung einfache und repetitive Arbeiten ausgeführt haben, auf Tätigkeiten mit höherem Qualifikations- und Produktivitätsniveau umgeschult werden. Sie erzielen so ein besseres Einkommen und die Gesamtwertschöpfung der Volkswirtschaft steigt. So gesehen könnte man auf den ersten Blick von einer Win-Win-Situation sprechen.

Negativer Fall: Arbeitslosigkeit und Sozialdumping

In der Praxis lässt sich die wegfallende Wertschöpfung jedoch nicht ohne weiteres kompensieren. Die durch die Auslagerungen frei gewordenen Arbeitskräfte können oft nicht umgeschult oder anders eingesetzt werden. Es kommt somit zu einem Überangebot an Arbeitskräften bzw. zu Arbeitslosigkeit. Dies führt zu einem Druck auf Löhne, Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen. Die Arbeiter haben dann oft nur die Wahl, einen tieferen Lohn zu akzeptieren oder arbeitslos zu werden.

Die tieferen Löhne und schlechteren Arbeitsbedingungen in den Destinationen für Auslagerungen (z.B. China) haben mindestens indirekt einen negativen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in den Ländern des Nordens. Es kommt zu 'Sozialdumping'.

Länder wie z.B. Frankreich bekommen dies heute schmerzhaft zu spüren: Innovationskraft und Produktivität der heimischen Industrie reichen nicht aus, um in einer globalisierten Konkurrenzsituation ausreichend Wertschöpfung zu generieren, damit nachhaltig Arbeitsplätze geschaffen und extensive Sozialprogramme, wie z.B. die 35 Stunden Woche und das Pensionsalter 60, finanziert werden könnten. Ein weiteres Beispiel sind die USA. Die wirtschaftliche Lage der Unter- und Mittelschicht stagniert seit vielen Jahren. Die dadurch entstandene Unzufriedenheit der Menschen hat erwiesenermassen massgeblich zum Wahlerfolg von Donald Trump beigetragen.

Teilweise sehr schlechte Arbeitsbedingungen in Schwellenländern

Die stark auf den Preis fixierte Auslagerungs- und Beschaffungspolitik vieler Unternehmen hat dazu geführt, dass einzelne Produkte unter sehr fragwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Die miserablen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie in Bangladesch sind hinlänglich bekannt. Dies ist aber nur eines von vielen Beispielen.

Sehr oft sind es europäische und US-amerikanische Konzerne, die ihre Gewinne auf Kosten der Ärmsten auf eine fragwürdige Art optimieren.

 

Umweltdumping

Auch aus ökologischer Sicht sind Auslagerungen in mehrfacher Hinsicht problematisch.

Weniger strenge Umweltauflagen in Outsourcing-Destinationen führen zu Umweltdumping

Die Auflagen an eine umweltgerechte Fertigung sind in armen Ländern meist weniger streng als in Mitteleuropa. Aufgrund von schwachen staatlichen Institutionen und grassierender Korruption wird oft auch zu wenig unternommen, um die bestehenden Umweltauflagen auch durchzusetzen. Investitionen in umweltschonende Fertigungsverfahren rechnen sich in einem solchen Kontext nicht.

Die Folge ist eine höhere Umweltbelastung für uns alle und ein Druck auf die Umwelt-Standards im Norden. Es kommt zu 'Umweltdumping'.

Höherer Ressourcenverbrauch dank steigender Kaufkraft

Infolge der grossen Lohndifferenz können sich die Menschen in den reichen Ländern dank Globalisierung wesentlich mehr Güter leisten, als dies bei einer rein lokalen Produktion der Fall wäre. Eine grössere Anzahl an konsumierten Gütern führt aber in aller Regel auch zu einem höheren Verbrauch an natürlichen Ressourcen.

Umweltbelastung durch hohes Transportaufkommen

Auslagerungen führen zu einem hohen Transportaufkommen durch Flugzeuge, Schiffe und Lastwagen mit den entsprechenden Folgen für die Umwelt (Lärm, Umweltverschmutzung, Klimawandel).

Risiken durch weltweite Interdependenzen

Die Covid-19 Krise in 2020 hat gezeigt, dass weltweite Lieferketten und die Auslagerung von kritischen Gütern mit Risiken verbunden sind. So waren infolge von Lockdown und Grenzschliessungen gewisse chemische bzw. pharmazeutische Ausgangsstoffe, Komponenten und Produkte (z.B. Hygienemasken) in Europe nicht in ausreichender Menge verfügbar. 

Aus kybernetischer Sicht ist ein System dann am stabilsten, wenn die einzelnen Knoten eines Netzwerks über eine möglichst grosse Autonomie verfügen. Auf die Praxis angewandt heisst dies, dass die Herstellung von lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen möglichst dezentral bzw. lokal erfolgen sollte.

 

Druck auf freiheitlich-demokratische Systeme am Beispiel von China

China konnte sich in den letzten 30 Jahren, u.a. dank der Globalisierung, wirtschaftlich enorm entwickeln. Die Armut im Land konnte stark reduziert und der Lebensstandard, v.a. in den urbanen Zentren, erheblich verbessert werden. Die Infrastrukturen wurden stark ausgebaut und haben teilweise europäisches Niveau. Aufgrund seiner Grösse und seiner wirtschaftlichen Stärke hat sich China auch in der Weltpolitik eine Machtposition geschaffen.

China ist eine totalitäre Parteidiktatur mit stark eingeschränkten persönlichen Freiheiten

Bei allen Fortschritten darf nicht vergessen werden, dass China nach wie vor eine durch die leninistische Doktrin geprägte totalitäre Parteidiktatur ist, in der die persönlichen Freiheitsrechte stark eingeschränkt sind. Die Menschen werden in einem für Europäer schwer vorstellbaren Ausmass überwacht und kontrolliert. Jede Kritik am System oder an der Kommunistischen Partei Chinas (CCP) hat drakonische Strafen zur Folge. Die betroffenen Personen werden mit teilweise menschenverachtenden Methoden zum Schweigen gebracht oder verschwinden gänzlich. Ein unabhängiges Rechtssystem existiert nicht. Inhaftierungen und Tötungen ohne Gerichtsverfahren, Folter und Todesstrafe sind übliche Verfahren im Umgang mit 'unerwünschtem' Verhalten.

Sämtliche Medien werden rigide kontrolliert

Sämtliche Medien stehen unter Kontrolle der Partei, Pressefreiheit ist faktisch inexistent (2020: Rang 177 von 180 auf der Rangliste der Pressefreiheit der » Reporter ohne Grenzen). Die Inhalte von Social Media, Zeitungen, Radio und Fernsehen werden systematisch zensuriert, auf die Linie der Partei gebracht und systematisch mit Propaganda versetzt.

Ausländische Internetangebote, wie z.B. Social Media oder die Digitalausgaben europäischer und US-amerikanischer Tageszeitungen, werden mittels ausgeklügelter technischer Mittel ('Great Chinese Firewall') blockiert. Auf diese Weise wird eine von der Parteipropaganda unabhängige Informationsmöglichkeit der Bevölkerung praktisch verunmöglicht. 

Ethnische Minderheiten werden zwangs-sinisiert

Ethnische Minderheiten wie z.B. Tibeter, Mongolen, Uiguren und Kasachen werden mit teilweise menschenverachtenden Methoden zwangs-sinisiert. Bekannt sind z.B. die bereits Jahrzehnte andauernde Unterdrückung der Tibeter sowie die KZ-ähnlichen Umerziehungslager in der Provinz Xinjiang, in denen Schätzungen zufolge rund eine Million Uiguren und Kasachen zwecks Zwangsindoktrination (sprich: Gehirnwäsche) unter schlimmen Haftbedingungen zwangsinterniert ist. Die Menschen in diesen Einrichtungen werden einer systematischen Gehirnwäsche unterzogen, offenbar wie Vieh gehalten und beim kleinsten Vergehen auf grauenhafte Art gefoltert. Die nicht in diesen Lagern lebenden Uiguren und Kasachen in Xinjiang werden möglichst lückenlos überwacht und unter Druck gesetzt, ihre Kultur und Religion aufzugeben. Wer nicht spurt, wird ins Lager gesteckt oder umgebracht. Die Reisefreiheit der Minderheiten ist innerhalb von China stark eingeschränkt, Reisen ins Ausland meist nicht möglich. Wer es dennoch versucht und erwischt wird, muss mit einer langen Gefängnisstrafe oder mit dem Tod rechnen.

Die Chinesische Regierung bzw. die Kommunistische Partei hat offensichtlich die Absicht, alle lokalen Kulturen, Religionen und Sprachen weitmöglichst auszulöschen und durch eine Chinesische Einheitskultur zu ersetzen. Es kann an dieser Stelle von einem eigentlichen kulturellen Genozid gesprochen werden. Jüngstes Beispiel ist die Innere Mongolei.  

Religionsausübung wird systematisch behindert

Trotz garantierter Religionsfreiheit müssen religiöse Institutionen eine Genehmigung von der Partei einholen und erhebliche Einschränkungen hinnehmen. So verfügt die Partei z.B. über die erlaubte Anzahl und den Ort von Kultstätten. Die Kultstätten der registrierten Religionsgemeinschaften werden zurzeit sinisiert, d.h. an vielen Orten werden die Kirchen ihrer Kreuze und die Moscheen ihrer Kuppeln beraubt. Zudem wird an einer mit der Parteidoktrin kompatiblen Bibelübersetzung gearbeitet. Es werden aber auch jahrhundertealte buddhistische und daoistische Kultstätten sinisiert, zweckentfremdet oder abgerissen.

Wer seine Religionsgemeinschaft nicht registriert bzw. keine Genehmigung der Partei erhält (z.B. die sog. Hauskirchen), muss mit drakonischen Strafen (inkl. Folter mit möglicher Todesfolge) sowie dem Abriss seiner Kultstätten rechnen.

Unter Xi Jinping ist die Rückkehr zu einer systematischen Behinderung jeglicher Religionsausübung zu beobachten, wie sie aus der Zeit der Kulturrevolution bekannt ist. Siehe dazu auch die vielen Berichte auf » Bitter Winter.

Ziel der Kommunistischen Partei Chinas (CCP) ist es, die absolute Macht und unhinterfragbare Deutungshoheit in allen Lebensbereichen zu behalten. Lokale Kulturen und Religionen werden deshalb in ihrer Substanz vernichtet und disneyfiziert, d.h. sie werden ihres inneren kulturellen und religiösen Gehalts beraubt und so zu blosser Folklore vermindert. Der Chinese soll nicht zu Gott oder zu Buddha beten, sondern zur Partei und ihren Exponenten.

Durch die grosse wirtschaftliche Abhängigkeit wird der Westen erpressbar

Einst herrschte im Westen die Vorstellung, dass sich China aufgrund des wirtschaftlichen Fortschritts öffnen, liberalisieren und demokratisieren würde. Das Gegenteil ist eingetreten.

Unter Xi Jinping, einem erklärten Verehrer von Mao, wurde das System in den letzten Jahren strikter und repressiver. Zur Erinnerung: Mao wird für 20 bis 45 Millionen Tote durch vermeidbare Hungersnöte, Bestrafungsaktionen und politischen Säuberungen verantwortlich gemacht.

Unter Xi findet eine systematische und zunehmend aggressive Verbreitung des chinesischen Systems in der ganzen Welt statt. Ärmere Länder werden durch Projekte wie die Belt & Road Initiative oder rückzahlbare Investitionen in zentrale Infrastrukturen wie Häfen, Strassen und Eisenbahnlinien in eine Abhängigkeit gebracht.  Durch die mittlerweile sehr grosse wirtschaftliche Abhängigkeit von China, werden aber auch die USA und Europa bis zu einem gewissen Grad politisch erpressbar. Das ist der chinesischen Führung sehr wohl bewusst. Ihre Gesandten im Westen treten denn auch zunehmend aggressiv und fordernd auf (siehe 'Chinas Wolfskrieger'). Hinzu kommen noch die systematischen Einheitsfront-Aktivitäten zur gezielten Unterwanderung westlicher Eliten aus Wirtschaft, Politik und Forschung.

Unerwünschtes Verhalten wird konsequent mit wirtschaftlichen Retorsions-Massnahmen gekontert. So wurde beispielsweise im Mai 2020 Australiens Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung zum Ursprung des Corona-Virus mit massiven wirtschaftlichen Sanktionen beantwortet.

China ist eine Parteidiktatur. Aufgrund der zahlreichen, von der Partei mindestens geduldeten, Menschenrechtsverletzungen müsste die CCP streng genommen als kriminelle Organisation international geächtet und ihre Exponenten vor ein UNO-Tribunal gestellt werden.
China verfolgt seit einigen Jahren eine aggressive Expansionsstrategie auf technischer, wirtschaftlicher und politischer Ebene. Durch die grosse wirtschaftliche Abhängigkeit wird der Westen erpressbar. Wichtige Errungenschaften unserer freiheitlich-demokratischen Systeme, wie z.B. die freie Rede und die Pressefreiheit, könnten unter Druck geraten. Das wäre ein hoher Preis.
Es ist deshalb in unser aller Interesse, wenn wir die technische und wirtschaftliche Abhängigkeit von China verringern und auf ein gesundes Mass zurückfahren. Das Freihandelsabkommen der Schweiz mit China sollte deshalb ausgesetzt oder neu verhandelt werden. Der Geheimvertrag, der es chinesischen Beamten erlaubt, in der Schweiz zu ermitteln, darf nicht verlängert werden. Bei Auslagerungen sollten immer auch Alternativen zu China geprüft werden.

Referenzen

Kai Strittmatter, Die Neuerfindung der Diktatur – Wie China den digitalen Überwachungsstaat aufbaut und uns damit herausfordert, Piper, 2018

Clive Hamilton, Mareike Ohlberg, Die lautlose Eroberung – Wie China westliche Demokratien unterwandert und die Welt neu ordnet, DVA, 2020

Sayragul Sauytbay, Alexandra Cavelius, Die Kronzeugin, Europa-Verlag, 2020

Bitter Winter

Lea's Einblick (youtube)

Fazit

Schwellenländer können gewinnen

Für die Schwellenländer kann die Globalisierung eine Chance zur Entwicklung bieten. Voraussetzung ist jedoch, dass sie gute Rahmenbedingungen für die Auslagerung bieten. Neben tiefen Lohnkosten sind hier v.a. eine gute Infrastruktur, ein Netzwerk an spezialisierten Unternehmen mit einem hohen Qualitätsniveau, eine ausreichende Anzahl an gut ausgebildeten Fachkräften mit einem guten Arbeitsethos sowie eine überschaubare Bürokratie zu nennen. In der Praxis besteht jedoch die Gefahr, dass Schwellenländer ihre Sozial- und Umweltstandards künstlich tief halten, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Zudem sind die Vermögen in diesen Ländern oft auf wenige Personen bzw. Familien konzentriert. Diese profitieren von der Globalisierung auf Kosten der Armen.

Europäische Sozialstandards lassen sich in einem globalisierten Kontext nur schwer halten

In den Ländern des Nordens steigt durch die Globalisierung zwar die Kaufkraft, es besteht jedoch die Gefahr von Sozial- und Umweltdumping. Im Fall von China kommt noch der Druck auf unsere freiheitlich-demokratischen Systeme hinzu.

Alternative: Schutz der europäischen Standards durch eine Grenzausgleichsabgabe

Ein grosser Wirtschaftsraum wie z.B. die USA oder Europa hätte zwar die Kraft, innerhalb der eigenen Grenzen eigene Sozial- und Umweltstandards durchzusetzen. Die Kostenvorteile der Auslagerung in Länder mit tieferen Sozial- und Umweltstandards müssten jedoch kompensiert werden. In der EU ist dazu im Rahmen des 'New Green Deals' eine Diskussion über die Einführung eines 'Klimazolls' bzw. einer 'Grenzausgleichsabgabe' im Gange.

Die Herausforderung besteht darin, diese so zu gestalten und zu kommunizieren, dass sie nicht in Widerspruch zu den WTO-Regelungen zum Abbau von Handelsschranken steht. Andernfalls würde sie als protektionistische Massnahme verstanden und hätte mit grosser Wahrscheinlichkeit Retorsionsmassnahmen zur Folge (z.B. hohe Schutzzölle für spezifische Güter aus der EU). China, Indien und die USA haben denn auch bereits massiven Widerstand gegen einen Klimazoll angemeldet und mit Retorsionsmassnahmen im Falle einer Einführung der Abgabe gedroht.

Schlussfolgerung

Die Globalisierung ist als Faktum wohl zu akzeptieren, zum heutigen Zeitpunkt jedoch eine sehr zwiespältige Angelegenheit. Wenn die Vorteile die Nachteile überwiegen sollen, braucht es griffigere Regulierungen, sowohl in den Herkunftsländern als auch in den Ziel-Destinationen von Auslagerungen.

Version vom 29. Oktober 2020

espirit.ch