Beurteilungsbasis

Qualitative Bewertung der Systeme

- Fundamentaler Zweck

- Sozialer Zweck

- Ökologischer Zweck

- Spezifische Systeme

Fazit

Welches Wirtschaftssystem ist das beste?

Inwieweit dienen die bekannten Wirtschaftssysteme dem fundamentalen, sozialen und ökologischen Zweck des Wirtschaftens am besten?
Welches System schneidet am besten ab?

Beurteilungsbasis

Um eine belastbare Aussage darüber machen zu können, welches Wirtschaftssystem am besten geeignet ist, braucht es einen Beurteilungsrahmen. Wie » andernorts bereits festgestellt, sollte die Wirtschaft drei Hauptzwecken dienen: einem fundamentalen, einem sozialen und einem ökologischen Zweck. Die Frage ist nun, inwiefern die verschiedenen Wirtschaftssysteme diese drei Zwecke zu erfüllen vermögen.

Qualitative Bewertung der Systeme

Übersicht

Eine qualitative Bewertung der verschiedenen Systeme in der Erfüllung der drei Hauptzwecken ergibt folgendes Bild (1: schlecht, 5: sehr gut). Es handelt sich um eine rein qualitative Bewertung aus einer spezifisch mitteleuropäischen Sicht und ohne wissenschaftlichen Anspruch. Im Folgenden werden die Bewertungen im Einzelnen begründet (ein Klick auf die jeweilige Zelle führt direkt zur Begründung).

Zweck Neoliberales
System
Sozialistisches System Soziale Marktwirtschaft
Fundamentaler Zweck ∗∗∗∗ ∗∗ ∗∗∗∗
Sozialer Zweck ∗∗ ∗∗∗
Ökologischer Zweck ∗∗ ∗∗∗
Total ∗∗ ∗∗ ∗∗∗

Der fundamentale Zweck der Wirtschaft

Das zentrale Ziel des Wirtschaftens ist die effiziente Erbringung von ausreichend Gütern und Dienstleistungen.

Der soziale Zweck der Wirtschaft

Die Wirtschaft sollte Arbeitsplätze mit vertretbaren Arbeitsbedingungen (Löhne, Sozialleistungen, Arbeitsplatz) anbieten. Anzustreben ist zudem eine möglichst gute Verteilgerechtigkeit von Einkommen und Vermögen.

Der ökologische Zweck der Wirtschaft

Die Wirtschaft soll die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen, d.h. die Ressourcen sollen nicht nur verbraucht, sondern auch gepflegt und bewahrt werden, damit sie späteren Generationen möglichst unversehrt zur Verfügung stehen.

Spezifische Systeme: Gemeinwohl Ökonomie / China

Nicht in die obenstehende Betrachtung eingeflossen sind die Gemeinwohl-Ökonomie sowie das hybride Wirtschaftssystem in China.

Gemeinwohl-Ökonomie

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist schwer einschätzbar, da es noch keine Beispiele für einen grossflächigen praktischen Einsatz gibt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der soziale und ökologische Zweck des Wirtschaftens einen hohen Stellenwert erhalten werden, der fundamentale Zweck jedoch vermutlich etwas vernachlässigt wird. Je nach praktischer Ausgestaltung kann sich eine sozialistische Planwirtschaft oder eine etwas stärker geregelte öko-soziale Marktwirtschaft entwickeln.

Wirtschaftssystem in China

Das System in China ist eine Kombination aus freier Marktwirtschaft und strikter Lenkung durch Staat und Partei. Der fundamentale Zweck wird zwar grundsätzlich erfüllt, die Eingriffe durch Staat und Partei in den Markt bzw. in einzelne Unternehmensentscheide können jedoch die Effizienz des Systems negativ beeinflussen. Was den sozialen und ökologischen Zweck angeht, ist China gegenüber europäischen sozialen Marktwirtschaften noch im Hintertreffen – aber am Aufholen.

Fazit

Die Analyse ergibt, dass kein System in allen Punkten sehr gut abschliesst. Weder ein ungeregeltes ultra- bzw. neo-liberales Wirtschaftssystem noch ein überreguliertes System nach sozialistischem Muster und auch keine neo-sozialistische Utopie in moderner Verpackung (Gemeinwohl-Ökonomie) erzielen eine gute Bewertung. Am besten schneidet das System der sozialen Marktwirtschaft ab. Aber auch dieses System zeigt in der Praxis erhebliche Schwächen.

Es braucht klare wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, damit sich die Wirtschaft zum Wohl der Menschen bzw. der Gesellschaft entwickelt. Diese werden über einen politischen Prozess mit der Absicht festgelegt, das Verhalten der verschiedenen Wirtschaftssubjekte (Investoren, Unternehmen, Konsumenten) zu steuern.

Es stellt sich nun die Frage, wie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ausgestaltet sein müssten, damit ein zwar ausreichend effizientes, aber dennoch sozial gerechtes und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften entsteht.

Version vom 28. Juli 2020

espirit.ch